|
BIG
Bike Shop
12 Jahre nach dem Anfang sieht
Jay vom Big Bike Shop in Patong Beach eine strahlende Zukunft für ihr Geschäft.
© Travelers' Net
Text & photos by Joe Josef
Ein ungewöhnliches Geschäft
-Motorräder sind schon eine Welt für
sich, sagt Jay. Man muss schon irgendwie aus einem speziellen Holz geschnitzt
sein um so lange damit sein Geld verdienen zu wollen.
Jay's richtiger Name ist Buoy Angsatchaphong. Seit 12 Jahren ist sie Besitzerin und
tägliche Chefin vom Big Bike Shop. Und ja - sie ist aus einem besonderen Holz geschnitzt.
Die Frau hinter dem lächelnden, chinesischem Gesicht ist eine vielseitig talentierte,
wohlausgebildete Person mit einem warmen Herzen.
-Für mich ist dieser Betrieb mein Leben, sagt sie. Meine Familie ist schon
seit Ewigkeiten in diesem Geschäft - in Bangkok. Ich bin von Kindesbeinen daran
gewöhnt,ich bin mit Motorrädern aufgewachsen!
Jay ist in Bangkok geboren, aber sie hat sich ihre Sporen auch im Ausland
verdienen müssen. Ihre wirtschaftlichen Studien betrieb sie in Penang, Malaisien, einer
Stadt mit starker angelsachsischer Bildungstradition. In Holland arbeitete sie eine
zeitlang bei ihrer Verwandschaft - als Näherin.
Wenn man sie so in ihrem Big Bike Shop sitzen sieht, versteht man, was sie meint, wenn sie
vom Motorradgeschäft als etwas Speziellem spricht. Wir sind auf Phuket - Trauminsel für
viele Menschen, die hier ihre Fantasien ausleben wollen. Grosse Choppers, tropische
Nächte, schwarzäugige Mädchen und viel Alkohol sind alles Teile dieser Fantasie.
-Du glaubst nicht, wie oft meine Motorräder ohne oder mit zerbrochenen Spiegeln
zurückkommen! Mehr als 500 Spiegel verbrauchen wir jedes Jahr!
Denn das scheint die Lieblingswaffe der eifersüchtigen Thaigirls zu sein: Spiegel
kaputtschlagen, Tank zerkratzen, den Sitz zerfetzen.
-Ich nenne es die "Lady Accidents", lacht Jay.
Die Spiegel sind auch begehrte Andenken. Genauso wie Tankdeckel, Blinklichter und andere
leicht entwendbare Teile.
Wunder Punkt
Das Big Bike Abenteuer auf
Phuket begann 1986, als Jay - damals noch zusammen mit ihrem Partner und Ehemann Alan
Deacon - den Laden in der Rath U Thit aufmachte und anfing Motorräder aus Japan zu
importieren. Damals gab es nur wenige grosse Motorräder, kein Vergleich zum
Motorradparadies anno 1998.
-Zu Anfang war es nur Weiterverkauf, erinnert sich Jay, alles in allem
haben wir seitdem mehr als 500 Motorräder verkauft, in alle Himmelsrichtungen. Wir
verkaufen natürlich immer noch. Die letzten Intruders diesen Monat sind nach Norwegen,
England und Südafrika gegangen.
Der Big Bike Shop hat laufend zwischen 80 und 140 Motorräder auf Lager - zum Verkauf und
zum Vermieten. Aufgrund der thailändischen, bürokratechnischen Eigenheiten werden fast
alle Motorräder als "Reserveteile" importiert und dann hier selber
zusammengebaut. Das ist gutes Training für die Mechaniker, die fast alle autodidakt sind.
Jay stöhnt, ja, die Mechaniker, das ist auch so ein wunder Punkt.
-Weisst du, ich muss immer und überall nachgucken, damit auch ja keine Mistarbeit
abgeliefert wird. Man muss verstehen, dass man in Thailand keinem Angestellten
Verantwortung für irgendetwas abverlangt. Also ist verantwortungslose Arbeit ein
allgemeines Problem. Gottseidank habe ich Marc, meinen Manager, der nach dem rechten
sieht, wenn ich nicht da bin.
Das
passiert nämlich oft - das Jay nicht da ist. Sie ist eine vielbeschäftigte Person, deren
Geschäfte weit über den Big Bike Shop hinausreichen. Sie hat mehrere Immobilienprojekte
in Angriff genommen und im Augenblick steht ein anderer, grosser Plan - die Guy Residence
- kurz vor der Vollendung.
-Das ist ganz neu in Thailand sagt Jay stolz, -eine erstklassige
Luxusunterkunft für Männer. Ich bin sicher, das wird ein grosser Hit!
Falle eines Falles
Die
Verhältnisse auf Phukets Strassen und die Unglückszahlen sind ein dunkles Kapitel des
Motorradsports auf Phuket. Es gibt jährlich viele Tote zu beklagen und die Unfallsrate
ist astronomisch.
-Leider, sagt Jay, jede Saison verlieren wir etwa zehn Motorräder wegen
Totalschäden. Und drei der Fahrer kommen nicht mehr zurück, weil sie ihr Leben auf der
Strasse verloren haben.
Big Bike Shop hat daraus Konsequenzen gezogen.
-Wir haben fast keine Rennräder mehr, sagt Jay, die sind zu gefährlich und
die ziehen die verkehrten Kunden an: junge Männer mit wenig oder keinerlei Erfahrung mit
dem Umgang mit solchen Monstren. Wir vermieten lieber die Chopper - wir sind die einzigen
auf dieser Insel, die Harleys vermieten - und die Enduros.
Schlecht bestellt ist es auch um die Versicherungssituation. Es gibt keine
Versicherungsgesellschaft in Thailand, die Motorräder versichert - ausser für die dritte
Schadenspartei. Wer ein Motorrad mietet, muss also im Falle eines Falles für sich selber
und das Motorrad aufkommen.
-Wir versuchen diese Unkosten so klein wie möglich zu halten, sagt Jay -wir
wollen unseren Profit nicht an Unglücken machen. Wenn man allerdings sein Motorrad
woanders mietet - am Strand etwa - dann mag das schon anders aussehen...
Strahlende Zukunft
Die Auswahl im Big
Bike Shop ist gross. Die populärsten Bikes im Augenblick sind die Harley Sportsters, die
V-Max 1200'er, die Transalps und African Twins. Und die Suzuki Intruders natürlich.
Nicht immer sind es übrigens Unfälle, die den Bestand dezimieren. Machmal lässt ein
Kunde auch schon mal eine Maschine irgendwo am Flughafen stehen.
-Vor kurzem fanden wir einen Thaijungen im Dorf am Flugplatz, der glücksstrahlend auf
einer unserer Maschinen durch die Gegend gondelte, lacht Jay.
Nach 12 Jahren mit Big Bike Shop in Patong sieht sie eine strahlende Zukunft für ihr
Geschäft.
-Wir haben so viele Kunden, die immer wieder kommen, sagt sie. Sie buchen
sogar die gewünschte Maschine im voraus. Ich glaube, es ist an der Zeit, dass ich etwas
modernisiere. Als nächstes ist ein Computer eingeplant, damit ich mit den Kunden per
email kommunizieren kann.
Aus der "besonderen Ecke"!

Italienische Harley 350 ccm

Jays eigene Machine: Blaue Harley mit Kompressor

Sanfter Kick-in
Motorräder, nichts als...

Noch einen Schluck, dann kann's losgehen

Africa Twin - eine gute Wahl auf Phuket

Schönes Andenken...?
|