by Joe Josef & Frank Munch Die "Sea
Gypsies" (Seezigeuner) sind ein einzigartiger Teil von Phukets kulturellem Erbe. Am Rande der Gesellschaft gibt es sie noch - die sagenumwobenen Seezigeuner. Sie leben hier auf Phuket so wie sie es schon vor hunderten von Jahren getan haben. Auf Koh Sirea, einer winzigen Insel, die von Phuket durch einen seichten Kanal getrennt ist und bei Rawaii, am südlichen Ende der Insel.
Die Regierung will ihnen auch noch die letzten Reste ihres alten Habitats nehmen. Ko Sirea soll ein moderner Fischereihafen werden. Dabei werden nicht nur die einzigartigen Mangrovengebiete zerstört, sondern auch die Kultur der friedlichen Seezigeuner. In Betonhäusern sollen sie untergebracht werden. Lernen, wie man Touristensouvenirs herstellt, anstelle nach Muscheln zu tauchen, so wie sie es schon vor hunderten von Jahren taten, als das Thailand, das ihnen heute politische Vorschriften macht, noch gar nicht existierte. Ureinwohner Phukets Noch leben die Seezigeuner in ihren angestammten Häusern und ernähren sich von de Fischerei, so wie sie es schon immer getan haben. Die Touristen, die mit Bussen hierher fahren, tragen zum Umsatz bei. Die Kinder haben betteln gelernt und die Frauen verkaufen Muschelschalen als Erinnerungen an sonnige Tage auf einer sonnigen Insel. Es gibt keine schriftlichen Aufzeichnungen, die über die Herkunft der Seezigeuner erzählen. Sie sind ein Nomadenvolk, reisen und leben auf dem Meer. Sie haben keine Schriftsprache und keine Schreibgeräte entwickelt. Eine Theorie besagt, dass die Seezigeuner von Malajen abstammen, die vor etwa 200 Jahren der moslemischen Invasion Birmas standhielten. Eine andere Theorie findet die Wurzeln des friedlichen Volkes bei den Veddas, einer indischen Rasse. Vernichtung steht bevor Heute sind die "Thai Mai" ein gemischtes Häuflein mit ihrer eigenen, ganz besonderen Sprache und ihrem eigenen, ganz besonderem Animismus - der sich langsam vom Islam und dem Christentum verdrängen lässt. Es gibt keine historischen Aufzeichnungen, nur Legenden und Fabeln, die durch Generationen hindurch von Mund zu Ohr weitergebracht wurden, Die Fabeln erzählen von den Menschen und der Natur. Ein spezieller Kult umgibt die Toten. Man bringt sie zu heiligen und gefürchteten "Toteninseln", wo ihre Geister weiterhin umherirren. Zwei der wichtigsten animistischen Rituale werden auch heute noch mit Bravur gefeiert: Das Anbeten und Beschwören der Geister und das Beschwören der Meeresgötter. Beim Beschwören der Geister werden zwei hohe Stangen auf einer Toteninsel als eine symbolische Tür aufgebaut. Beim Beschwören der Meeresgötter läßt man bei aufgehendem Mond ein verziertes Modellschiff vom Stapel. Die Seezigeuner sind Nomaden, die auf dem Meer zuhause sind. Ihre Familienverbände sind überall im Golf von Bengalen verbreitet. Zwei Kolonien gibt es aber auf Phuket, die ansässig geworden sind. Sie wohnen schon lange hier. Aber da diese Nomaden sich nie um Juristerei gekümmert haben, sind sie rein juristisch nicht die Eigentümer ihrer Dörfer. Zudem hat man sie angeschwindelt um um ihr Recht auf das eigene Land gebracht. Darum steht jetzt die Vernichtung dieser seltenen, alten Kultur bevor.
Etwa 500 Menschen gibt es noch, die so wie immer auf den Fluten des weiten Ozeans umherschweifen. Sie sind die letzten ihres Volkes. Sie leben auf "Hausbooten", die sie aus Baumstämmen fertigen. Nur zu Zeiten kräftiger Regenstürme suchen sie Unterschlupf in einer der vielen Inseln in der Andamanen See. Dies ist der einzige Kalender der Seezigeuner: die trockene Zeit auf dem Wasser und die Regenzeit auf dem Lande. Die Seezigeuner leben vom Sammeln und von der Jagd. Diese betreiben sie mit sehr einfachen Methoden. Nur mit einem Speer bewaffnet springt der Jäger ins Meer. In neuerer Zeit werden auch Taucherbrillen benutzt. Sobald genügend Fische, Tintenfische oder Muscheln eingeheimst sind, ist die Arbeit vollendet. Es gibt keinen Grund etwas zu lagern - das Meer ist voll von Proviant das ganze Jahr hindurch. Die Schwester der Menschen Einmal im Jahr jagen die Seezigeuner Meeresschildkröten und essen deren Fleisch. Diese spezielle Jagd ist eines der grossen, wiederkehrenden Begenheiten des Jahres. Die Legende besagt, dass einmal am Anfang der Zeit, eine Frau von einem Zauberer in eine Schildkröte verwandelt wurde. Sie bekam den Körper eines Tieres, aber ihr Gesicht behielt menschliche Züge. Darum ehren die Seezigeuner die Meeresschildkröte als eine Schwester der Menschen. Trotzdem aber jagen, töten und essen sie das Tier. Allerdings müssen die Rituale streng eingehalten werden, um die Geister zu versöhnen. Die Seezigeuner sind nicht wählerisch. Sie essen alles, was da kreucht und fleucht. Ihre Speisekarte mag in europäischen Augen nicht delikat sein, aber sie ist gesund und variiert. Im Meer werden Fische und Weichtiere erbeutet. Am Strand sammelt man Würmer und grosse Sandläuse. In den Grotten der Inseln werden Fledermäuse gefangen. Die proteinschwere Kost wird mit vitamin- und fiberreichen Früchten, Beeren und mit Reis ergänzt.
Die grundlegende Ökonomie der Seezigeuner ist der Austausch von Naturalien und das Sammeln von Muscheln. Nur in geringem Masse wird Geld angewendet. Aber Geld kann Kostbarkeiten kaufen - sowie Reis, Eier, Süssigkeiten und Tabak. Die Dorfgemeinschaften der Seezigeuner auf Koh Sirea und bei Rawaii Beach geben den Besuchern einen besonderen Einblick in eine alte und einzigartige Kultur. Die "echten" und "freien" Nomaden ziehen immer noch durch die Weiten des Ozeans, aber die friedlichen und lebensfrohen Bewohner der beiden Dörfer haben einen Kompromiss zwischen ihrer nomadischen Vorzeit und den Segen der Zivilisation gefunden. Sie betreiben noch immer ihr altes Handwerk. Sie bauen Boote, fangen Fische und sammeln Muscheln. Die Frauen arbeiten in Gruppen im Schatten der grossen Bäumen. Das Leben der Dorfgemeinde spielt sich im Freien ab. Das Bad ist ein Brunnen ein paar hundert Meter weg vom Dorf. Und sie geniessen das Leben in ihren Häusern, mit oder ohne Elektrizität... und manchmal fliessendem Wasser. Alle sind willkommen Die Seezigeuner halten zusammen. Ihr Kulturverband ist eine Quelle des Wissens für Historiker und Amateurforscher. Sie sind lebende Beweise einer alten, sterbenden Kultur für den Wissenschaftler sowie für den Touristen. Sie bereichern unsere Welt mit ihrer ganz besonderen, friedlichen und farbigen Lebensweise. Es gibt unter ihnen so gut wie kein Verbrechen oder Kriminalität. Ihre Schule ist das nahegelegene buddhistische Kloster. Jeder ist ein willkommener Gast. Sei es jemand, der Fisch kaufen will, ein bisschen Snooker spielen möchte, oder nur in der Sonne ein Eis essen.. Noch sind sie da, die friedvollen Ureinwohner. Aber wahrscheinlich nicht mehr lange! |
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