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Songkran

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Sonkraan bedeutet Neujahr. Das Wort stammt aus dem Sanskrit, "Anfang des Sonnenjahres". Wie auch in der westlichen Welt, ist Sonkran/Neujahr eine Zeit des Aufbruchs, des Ausräumens und Saubermachens. Alte Kleider werden verbrannt, das Haus wird gewissenhaft sauber gemacht, man gibt ehrenvolle Versprechen sich selbst und anderen gegenüber.

Die Tradition schreibt auch das Freilassen gefangener Tiere - z.B. von Fischen und Vögeln - vor. Die Marktverkäufer machen ein gutes Geschäft daraus, eingefangene Tiere zum Verkauf anzubieten, die dann gegen Geld wieder freigelassen werden. Junge Leute waschen rituell ihre Älteren und Jeder wäscht die Buddha Statuen.

"Songkraan ist wieder da!"


Soi Bangla an SongkraanVielleicht ist ein eimervoll Eiswasser den Rücken hinunter nicht gerade Ihre Vorstellung von einer gelungenen Neujahrsparty. Aber kommen Sie trotzdem mit auf die Bangla Road! Denn es ist der spassigste Tag des Jahres!

Ich hatte über Songkran in den Touristenprospekten gelesen. Aber die Wirklichkeit war viel Schlimmer. Und besser! Deshalb bereitete ich mich vor dem Ausgehen an diesem zwölften Apriltag des Jahres 1997 vor. Wie würden Sie sich anziehen, wenn Sie wüsstem, dort draussen wartet jemand darauf, Sie in ein Schlammloch zu werfen?

Songkranisierung ist nichts für alleKein Problem: Draussen ist es warm, man braucht nur alte Schuhe und alte Klamotten. Die Brieftasche wickelt man in Plastik ein. Alles andere - ausser vielleicht Maske und Schnorchel - lässt man zuhause.

Kein Problem, nur: ich wollte ein paar Bilder machen. Meine treue, alte Nikon würde die Wasserschwälle sicher nicht überleben. Also klebte ich eine Glassplatte an das Linsenfilter, und klebte eine Plastiktüte an die Glasplatte. Fertig war der Songkraan-Schutz. Eine Regenjacke mit Fenster.

Kaum verliess ich mein Büro, erhielt ich schon die erste Warnung. Wally, die Managerin des Bürogebäudes sprang mir entgegen und rief: "Ich werde dich songkranisieren!"

sie hat mich erwischtDas "Maultier Asiens", meine Honda Dream, wartete auf mich. Ich brachte es 30 Meter weit, bevor der erste Eimer voll Wasser sich über mich ergoss. Geschüttet von ein paar kleinen Jungs, die am Rande des Weges Aufstellung genommen hatten. Meine erste Songkranisierung!

Aber natürlich nicht die Letzte. Völlig durchnässt kam ich am Ziel an, der Bangla Road von Patong Beach. Hier war erstmal Verkehrsstau. Ich parkte mein kleines Motorrad am Strand und ging die Bangla Road hinauf.

sie winken mir zu...Sofort war ich mittendrin. An der Roxy Bar riefen zwei hübsche Mädchen: "Hey sexy man!" Nach 3 Jahren in Patong bin ich überhaupt nicht geschmeichelt, aber ich fotografiere sie.

Die Girls winken und lächeln. Meine alte Nikon klickt und dann, dann erfüllt sich der niederträchtige Plan der zwei Schönheiten: jemand kippt mir von hinten einen ganzen Eimer voll Eiswasser den Rücken herunter!

Haben Sie das schon mal probiert? Die Reaktion ist unausweichlich und unverwechselbar. Man erstarrt, wird sofort steif am ganzen Körper. Der Mund öffnet sich weit und ein Stöhnen entflieht der Kehle. Danach dauert es mehrere Sekunden, bevor man zum normalen Leben zurückkehrt.

Aber ich bin ein erfahrener Songkraner! Ich drehe mich nicht einmal um. Meine Gedanken sind bei der Kamera. Aber die Regenjacke funktioniert.

KopfschußUnd da stehe ich nun, mitten auf de Bangla Road mit einer Kamera in einem nassen Kondom und sehe aus wie eine ertrunkene Maus. Errege ich Aufmerksamkeit? Kein bisschen! Ich bin nur einer von Hunderten! Nicht ein einziger, der hier steht oder geht ist trocken, kein einziger ist nass. Alle sind KLATSCHnass.

Dosen und Eimer sind - wenn auch primitiv - die besten Waffen. Damit kann man in Sekundenschnelle mehrere Liter Wasser auskippen. Aber dann gib es auch die Wasserpistolen....

Als ich noch ein Kind war, gab es kleine Wasserpistölchen, die kleine Wasserspritzer ejakulierten. So ein Ameisenpistölchen würde einem hier garnichts nützen. Hier werden überall Wasserkanonen verkauft - Monstren mit Kompressionssystemen, die ihr Opfer auf 15 oder mehr Metern Entfernung anhauen wie ein Wasserfall.

nasse Mädchen auf dem MotorradAlles, was das menschliche Gehirn sich an Wasserentleerungsmechanismen ausdenken kann, ist hier vorhanden und wird in Anwendung gebracht. Pumpen, Kübel, Sprinkler, Leitungen, Dosen, Tüten, Kübel...

Alles ist da, alles spritzt dich an. Aber Wasser ist noch längst nicht alles.

Talk! Mehl! Pulver!

Jawohl, feiner, weisser Staub. Nur er ist nicht fein sondern gemein und er ist nicht staubig sondern lawinenhaft.

Talcum-MischerinPulver gehört zu Songkran und man bekommt es in zwei Variationen zu fühlen: trocken oder nass. Bei der Trockenbehandlung schüttet jemand Dir den Inhalt einer Dose direkt ins Haar und über den Anzug. Es mag etwas kratzen oder jucken, denn das Puder kann mit Menthol oder ähnlichem versetzt sein. Die Nassbehandlung ist immer populärer geworden. Das Pulver wird mit Wasser zu einer dicken Paste angerührt. Abhängig von der Konsistenz dieser Paste, schmiert, schmeisst oder schüttet der songkranisierende Aktivist den Inhalt an, auf oder über die zu songkranisierende Person.

früh am Morgen des SongkraanHierbei gibt es absolut keine Diskrimination. Jeder bekommt seinen Neujahrssegen. Ob im Supermarkt, auf der Strasse oder in der Bar. Ob er Polizist, Zahnarzt oder Rollstuhlfahrer ist. Ab und zu wird ein armer, unwissender Tourist in seinen schönsten Kleidern und mit einer Tasche in der Hand erwischt. Es gibt ein bisschen Pardon, aber nicht 100%. Der Tourist wird nass gemacht und bepudert, aber vielleicht etwas rücksichtsvoller als ein "abgekleideter" Songkranianer.

Ich erlebe dieses Vergnügen nun zum vierten Mal. Für mich illustriert Songkran mit aller Deutlichkeit den Unterschied zwischen der westlichen Welt und der thailändischen Kultur. So etwas würde es nie in Dänemark geben, oder in Europa oder in den USA. Denn wie lange würde es dauern bis man in diesen Ländern seiner Wut freien Lauf liesse? Und wie lange würde es dauern, bis jemand auf den Gedanken käme, statt Wasser mit Farbe, Säure oder anderen "Verbesserungen" zu spritzen?

verrücktSo etwas gibt es hier nicht. Ich habe noch nie jemanden böse ob der Songkranisierungen gesehen. Ich habe noch keinen Streit gesehen. Natürlich hat diese "moderne" Variante des altwürdigen Songkranfestes seine Nebeneffekte. Erkältungen, Niesen, Infektionen wegen unreinen Wassers - so etwas gibt es jedes Jahr.

Songkraan in Soi Bangla ist die beste Party des Jahres. Wirkliche Freude, fröhliche Menschen, die die Probleme und Nöte des vergangenen Jahres ab und weg spülen. Ist das Eiswasser auch kalt, die Herzen und Seelen werden gewärmt wie von der thailändischen Sonne, die zu diesem Zeitpunkt des Jahres am kräftigsten scheint.

Nehmen Sie die Chance wahr - lassen Sie sich songkranisieren!