Phuket Travelers' Net

Navigations-Feld

Vegetarier-Festival

Phuket Travelers' Net
Geschichte & Kultur
Email an uns

© History & Culture -  Travelers' Net

Die Kraft der Geister Phukets

Das "Vegetarierfestival" auf Phuket ist eines der grossen Feste Asiens, vergleichbar mit dem Osterfest der Filippinen, dem brasilianischen Karneval und den Wundern zu Lourdes. Das Festival ist ein spirituelles und körperliches Phänomen, das nicht völlig verstanden und erforscht ist.

Es ist glamorös, ehrerbietend und zugleich blutig. Unausweichlich jagt es seinen europäischen Betrachtern Schauer über die Rücken. Ob man es glauben will oder nicht - wenn man tatsächlich da steht und mit eigenen Augen sieht, mit eigenen Ohren hört und mit der eigenen Nase riecht, was vor sich geht, schmelzen die Vorurteile wie Eis in der Tropensonne.

 

woman.jpg (9917 bytes)Sensationell, doch fast unbekannt

Als World-class Begebenheit sollte man meinen, dass das "Phuket Vegetarian Festival" zehntausende von Touristen aus aller Welt hierherziehen würde. Aber dem ist nicht so. Es ist - noch – ziemlich einfach die Wunder dieses buddhistischen Festes aus erster Hand und in der ersten Reihe mitzuerleben.

Es gibt keine Eintrittsbezahlungen, keine Steuern, keine Drahtzieherei. Jeder darf mitmachen, jeder darf mitgucken. Es ist Platz für alle da und die gebotenen "Mirakel" sind echte, lebendige Tradition, keine Show für Touristen.

Vielleicht wird sich das irgendwann ändern. Schon haben sich eine japanische Fotofirma und eine europäischer Brauerei zu "Sponsoren" aufgeschwungen. Auf hunderten Sonnenschirmen und T-Shirts prangen die Logos. Besonders die Bierreklamen wirken in Zusammenhang mit einer Feierlichkeit wo es um Enthaltsamkeit geht, eher geschmacklos. Aber so ist das - wir sind eben in Asien. Gegensätze lässt man einfach stehen. Und so prozessieren die Heiligen unter grünweissen Sonnenschirmen mit einem Bierelefanten auf der Brust.

Die Geschichte des Phuket Vegetarier-Festival reicht zurück zu einem klassischen, chinesischen Wandertheater. Vor fast 200 Jahren brach gleichzeitig mit dem Erscheinen dieses Wandertheaters auf Phuket eine Seuche aus - wahrscheinlich Malaria. Die Seuche forderte eine grosse Zahl von Opfern. Nachdem sie eine lange Zeit angehalten hatte, besannen sich die chinesichen Schauspieler auf ihre religiösen Remedien. Aber es gab auf Phuket keinen chinesischen Priester, der die notwendigen Zeremonien leiten konnte.

So schickte man einen Botschafter an den königlichen Hof Chinas um die alten Rituale auf die rechte Weise durchführen zu können. Endlich kamen die Ausgesandten zurück und die beschwörenden Zeremonien konnten beginnen. Es ging wie es sollte, die Epidemie verschwand. Die Bevölkerung Phukets atmete auf. Es gab keine Kranken mehr.

Seitdem ist das Begehen der chinesischen Zauberzeremonien ein jährlich zurückkehrendes Schauspiel geworden. Jedes Jahr wuchs die Zahl der Zuschauer und Teilnehmer. Heute ist es nicht mehr nur ein "chinesisches Ding", obwohl der harte Kern der Prozessanten immer noch aus vielen Chinesen besteht. So ist denn die chinesische "Gemeinde" Phukets immer noch der Primus Motor des Festivals.

SawbladeBeschwörung der Geister

Die eigentlichen Zeremonien und Prüfungen des Vegetarischen Festivals dauern neun Tage. Aber schon Wochen vorher müssen sich die Teilnehmer strengen Enthaltungsvorschriften unterziehen. Die Seele muss sich gereinigt vor den Altar der Götter stellen, um ein sauberes Haus für die Geister des Neun Herrschenden Götter zu bieten.

Also wird kein Alkohol getrunken, kein Fleisch gegessen. Es werden keine Lügen erzählt und nur gute Gedanken dürfen sich in den Köpfen der Gläubigen einnisten. Wenn es dann Zeit wird, sind die Teilnehmer bereit für den Einzug der Götter. Um die Geister "herabzuholen" und die torturähnlichen Glaubensprüfungen durchstehen zu können, versammelt man sich frühmorgens in den respektiven Tempelhöfen. Was geschehen wird und wie, ist alles im Programm festgelegt. Auch sind die "Torturinstrumente" schon vorbereitet und im Tempelhof ausgelegt. In dieser Phase spielen Musik, Lärm, Geruch und aufwendige Talare eine grosse Rolle.

wires.jpg (12668 bytes)Organisiertes Chaos

Im Tempel geht die "Kapelle" zur Sache. Die Tempelgongs, Trommeln, Glocken und Becken werden geschlagen. Schwerer Rauch von hunderten, dicken Räucherstäben wogen in der Luft. Sandelholz wird angezündet und verbreitet seinen charakteristischen, süsslichen Geruch. Kerzen hundertweise glühen vor den Altären und erleuchten die heiliegn Figuren und Figurinen der chinesischen Götter und Herrscher, der Buddhas, der mythologischen Tiere und anderen legendären Figuren.

Die Männer versammeln sich an der einen Seite des Altars, die Frauen an der anderen. Die ganze Tempelstätte verwandelt sich in ein organisiertes Chaos. Nach einer gewissen Zeit erreicht die Stimmung ihren ersten Höhepunkt, die Geister kündigen ihr Komme an. Die Gesichter der Teilnehmer spiegeln höchste Erregung wieder. Einer nach dem anderen werden sie von gewöhnlichen Sterblichen zu Medien der Neun Götter.

Ihre Körper werden von fremden Mächten beeinflusst. Und dann kommt der Zeitpunkt der Prüfung. Einer nach dem anderen gehen, schwanken oder hüpfen die Besessenen die Treppe hinunter in den Tempelhof. Hier stehen die Helfer schon bereit um die ausgewählten Werkzeuge in das zuckende Körperfleisch der Eingeweihten zu stechen. Man reiht sich ein. Besessen, in Extase, voller Geist wird auf die Prüfung gewartet. Die Heiligen zittern, Saliva läuft ihenen aus den Mündern, sie stossen unverständliche Laute aus und warten. Warten auf den Zustoss der Stangen, Bügel, Haken, Ketten oder Äste aus Stahl, Plastik, Glass oder Holz.

help.jpg (7387 bytes)Kein Schmerz

Das eigentliche "Piercing" wird mit chirurgischer Präzision ausgeführt. Die Assistenten haben antiseptische Handschuhe an - wir leben ja in einer AIDs Zeit - und reinigen die Geräte mit aintiseptischen Tüchern bevor die Torturinstrumente eingestochen werden, meistens durch die Wangen. Es ist eine schon ein ungewöhnlicher Anblick. Nicht nur ein Mensch, sonder zehn, zwanzig, ja sechzig Leute lassen sich die Gesichter mit riesigen Objekten durchstechen... und dass ohne Schmerzen zu fühlen.

Manche der eingebohrten Stangen sind zehn unglaubliche Meter lang. Viele haben irgendetwas angebunden, angekettet oder angeschweisst. Manche Objekte, wie Ketten oder Eisenstangen, binden drei oder vier Leute zusammen wie Perlen auf einer Schnur. Zwei oder drei Helfer braucht es auch, um die langen Stangen durch die Gesichter der Eingeweihten zu bohren. Und natürlich müssen Helfer auf jeder Seite der Besessenen die Stange und ihre Gewichte in der Prozession tragen helfen.

Die täglichen Prozessionen des neun Tage langen Festivals sind der zentrale Kern der Handlung. Aber abgesehen von den stundenlangen Torturmärschen in der Sonnenglut gibt es noch andre Prüfungen und Zeremonien, z. B. Feuerlaufen, Erklimmen von Messerleitern und viele andere. Während der Prozessionen ändert sich die normale Atmosphäre Phukets von Alltagsleben zu religiöser Extase.

Und doch werden die meisten der Touristen, die zu diesem Zeitpunkt die Insel besuchen, davon nichts erfahren. Vielleicht nehmen sie nur den Eindruck mit nach Hause, dass die meisten Einwohner der Insel in weisser Kleidung herumlaufen und keinen Alkohol trinken. Denn es ist leicht, von der ganzen Sache nichts mitzubekommen. Erstens sind die meisten Ankündigungen auf Plakaten, Postern usw. auf thailändisch und an die hiesige Bevölkerung gerichtet. Ausserdem beginnen die Rituale so früh wie fünf Uhr morgens in ausgewählten, chinesischen Tempeln ausserhalb der Touristengebiete.

flag.jpg (8661 bytes)Nach den morgendlichen Prozessionen lösen sich die Scharen der Zuschauer wieder auf. Schon Minuten später sind die Reste der Prozession - verbrauchte Feuerwerkskörper, Blumengirlanden und sogar das Blut der zerschnittenen Gesichter, Rücken und Füsse wieder beseitigt.