Futtern wie bei Muttern -text von Joe josef Zwischen Tisch und Hoffnung Später kommen die Müllmänner und holen die Abfallberge von der Strasse ab. Das ist überhaupt nicht so langweilig, wie es klinggt. Zuerst sieht man ein Haufen Licht. Strahler vorne und hinten, rundherum farbige Leuchten in Gelb, Blau und Rot. Dann das Getöse. Das Monstrum erinnert mich immer an den Moloch am Himmel von "Blade Runner". Die Müllmänner springen flink wie die Wiesel vom Wagen und attackieren die Kehrichthaufen mit den blossen Händen. Ich habe diese Leute immer bewundert. Sie können es glauben oder nicht, ich habe ihnen sogar meine wenigen Habseligkeiten vermacht. Ich finde den Symbolismus auch wundervoll - meine Uberreste an die Müllmänner. Und die können meine CD Sammlung (Sinatras Greatest Hits) sicher gut gebrauchen. Die Stunden versinken wie Sand zwischen den spielenden Fingern eines Kindes. Es wird Mee Jinn gegesssen, Heineken und San Thip getrunken und alle sind froh oder tun wenigstens so. Plötzlich ist es 6 Uhr morgens und die Bedienung bewegt sich kaum noch. Zum Schluss sitzen nur noch zwei Kateus und en paar alte Bargirls die sich an den Tisch und die Hoffnung klammern, dass doch noch ein reicher Farang auftauchen möchte. Nach einem Dutzend Radler sieht die Welt gräßlich aus, zerfetzt und viel zu hell. Aber die Bedienung ist immer noch wach und plötzlich trifft ein ganz neuer Menschenschlag ein, der die kleine Welt des namenlosen Ladens verändert. Ruhe im Schatten
Jetzt wird's ruhig im Haus. Nur einige, wenige Frühstückler. Es ist schon heiss zu dieser Zeit. Thaileute sind keine grossen Frühstücksesser und die meisten Farangs liegen entweder noch im Bett ode sind schon längst bei der Arbeit. Mittags wird es noch stiller. Jede Person mit fünf Sinnen ruht sich im Schatten aus. Die Mädchen des Laan Sukaproks reinigen das Grünzeug und bereiten das Fleisch vor. Erst nach etwa 16 Uhr geht es langsam wieder los. Die ersten paar Trinkbrüder spielen erste Geige. Hippies mit langem Haaren und Bart, die eigentlich nach Goa wollten. Strähnige Bierbäuche; seriöse Trinker, die sich einen Dreck um ihr Ausseres scheren. Ab und zu ein Gast mit Rucksack oder Sportstasche. Noch seltener ein bebrillter Backpacker mit seiner verschlissenen Ausgabe von Lonely Planet. Bald wird es Abend. Und mit der Nacht ertönt das Konzert des Lebens erneut mit neuen Melodien und Dramen. |
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