Futtern wie bei Muttern -text von Joe josef Laden ohne Namen Wer länger als die gewöhnlichen 2 bis 3 Wochen in Patong ist, kennt es vielleicht. Wer hier wohnt, kennt es ganz sicher: Das Thaifoodlokal an der Kreuzung von Rath U Thit und Bangla, gegenüber von Hard Rock. Das imposanteste an diesem Wirtshaus sind die Offnungszeiten. Ich habe es noch nie geschlossen erlebt. Ausser einem einzigen Male, sum 60ten Geburtstag des Königs. Das machte einen grossen Eindruck auf mich. Ich weiss, dass die Thais ihren guten König wie einen Gott verehren, aber das Thailokal an der Kreuzung von Rath U Thit und Bangla, gegenüber von Hard Rock zuzumachen, ist schon etwas ganz Besonderes. Ich wusste gar nicht, dass die alten, durchgerosteten Scharniere sich überhaupt bewegen, geschweige denn zuschliessen liessen. Komischerweise hat dieses Lokal keinen Namen. oder wenn es doch einen hat, habe ich noch nie jemanden getroffen, der den Namen kannte. Die Leute müssen es umschreiben, man geht zu dem "Laden, der immer auf hat". Vielleicht braucht das Ding überhaupt keinen Namen, denn jeder Thai kennt es sowieso. Hier wird nämlich nach der besten "Futtern wie bei Muttern" südthailändische Küche gekocht. Andererseits, wenn man bedenkt, mit welcher Hingabe die Thais Dingen, Menschen und Plätzen, die sie verehren, Kosenamen geben, wundert man sich warum ein so omnipräsentes Topos ganz ohne Namen auskommt. Mai pen rai - das ist wahrscheinlich so eine Thaisaches Laan Sukaprok
Meine Frau nannte den Laden "Laan Sukaprok" (Den schmutzigen Laden) und so enststand ein "Kosename", der allgemein angenommen wurde. Nun ja, mir ist es egal. Wie gesagt, ich esse ja dort nicht. Ich sitze nur so rum, trinke meine Radler (Alsterwasser auf Norddeutsch) mit Bia Chang und Schweppes Tonic und gebrauche meine Augen. Nicht dass ich nach Kakerlaken Ausschau halte. Auch sehe ich die rostigen Olkanister nicht und schon gar nicht die Abfallhaufen auf der Strasse. Sogar die Eierschalen auf dem Boden sind mir egal. Ich gucke mir etwas ganz anderes an: Die Show! Es gibt natürlich keine wirkliche Show. Sondern das wirkliche Leben. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche unterhält Laan Sukaprok seine Besucher mit Leben. Es ist ein Konzert mit einer ewig wechselnden Melodie. Sprache Babylons Abends füllen die Tische sich langsam mit Thaileuten, die gesalzenen Fisch mit Gräten, Hüghnerinnereien, fette Schweinehaut und alle die vielen anderen Delikatessen geniessen. Mit Reis, serviert auf Plastiktellern oder in Blechschüsseln. Nach etwa neun Uhr ist so viel los, dass man die Bedienung sich bewegen sehen kann. Keine Zeit mehr zum mit auf den Tisch gelegten Bäckchen zu schlafen. Eines der grossen Vorteile im Laan Sukaprok ist die Abwesenheit von Hintergrundsmusik. Ungleich der meisten anderen Lokale und Bars diseses Kalibers gibt es hier keine Angriffe auf die sensiblen Ohren eines Fuchses von seiten schriller Quietschnudeln aus Isaan oder harscher Becken über poppiger Thai"musik". Stattdessen hört man die Geräusche, die das Leben selber hervorbringt, wie es sich nun gerade so abspielt. Lachende Mädchen, die schnellen Vokalfolgen des Phuketdialekts, laute Farangs und im allgemeinen die Sprachen Babylons. Pidgin Thai ist der gemeinsame Nenner. Dahinter die Begleitgeräusche des Verkehrs: Die Taxis, die Honda Dreams und alle zwanzig Minuten ein Thaijunge, der auf einem dieser affigen Kleinmaschinen vorüberrast. Dann und wann gibt es einen Ausbruch in der Küche, eine Eruption und eine Chilliwolke, die in den Augen kratzt. Das Konzert des Lebens creszendiert nach Mitternacht. Bargirls kommen auf einen Sprung herein, Supermarktangestellte und Hotelmädchen in Uniformen. Es ist - wieder einmal - Mee Jinn Zeit. Jezt geht langsam die Post ab. |
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