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Wer
"A" sagt muß auch GoGo sagen
(Teil 2)
-eine Harry Fox story
"Nummer 69 machte Show und gab
Gas. Ein paar schwarze, schwere US Boys brüllten vor Begeisterung."
Engel haben Flügel
Extasy hat eine kühle Klimaanlage und ein tiefes,
kraftvolles Lautsprechersystem. Was gut ist. Uan und ich konnten miteinander sprechen ohne
brüllen zu müssen. Das hatte ich schon bei meinem ersten Besuch, vor zig Millionen
Jahren gemerkt: der Baß ist laut, nicht aber das bohrende Diskantgeräusch. Das gibt der
Musik eine satte, körperliche Dimension. Vielleicht sollten sie ihr Motto auswechseln zu:
"Besuchen Sie Extasy und ihre Ohren werden's überleben!"
-Du bist ein Engel, sagte ich. Die Bibel erzählt uns, daß Engel Boten sind.
Deswegen haben sie diese großen Flügel, weißt du. Sie fliegen überall durch die Welt
und bringen Gottes Botschaften zu den Menschen.
Uan sah mich ehrwürdig an.
-Sie haben wirklich Flügel
? flüsterte sie.
-Ja, sie haben wirklich Flügel. Unter ihren Flügel kann man ruhen, da kann nichts
Böses passieren.
-Gibt es auch Engel für uns Thaileute?
-Nein sagte ich Thaigirls sind Engel. Du bist ein Engel. Darum kommen die
Farangs hierher und geben ihr Geld aus- um von einem Engel geküßt zu werden.
-Aber ich habe doch gar keine Flügel, rief Uan.
-Doch, du hast Flügel. Schöne Flügel sogar! Du kannst sie bloß nicht sehen, weil
du selber Engel bist. Nur Menschen können die Flügel der Engel sehen.
Uan lachte und man sah ihre zwei perfekten Zahnreihen.
-You joking me!
Sie klopfte mir hart auf den Rücken.
-You joking me! Mai mee Angell ging ging!
Hier irrte sie sich. Fürwahr gibt es Engel. Und Uan war einer - für mich jedenfalls.
Himmelstreppe
Ich hatte keine Lust, die ganze Nacht im Extasy zu
verbringen um über Engel zu reden. Ich hatte andere Absichten. Engel oder nicht, ich
hatte gesehen, was Uan drauf hatte, da oben in der Cowboy Go Go. Also nahm ich ihre kleine
Hand und schleppte sie durch die geschäftige Soi Bangla. Hin zur Soi Eric - helloh, where
you goh!
Auf dem Weg zur Flash a Go Go muß man durch die Scylla und Charybdis von Patong.
Zweihundert hübsche Thailadies, die einem zurufen, nachschreien, angrabschen. oder die an
den Tischen sitzen und Luftschlösser aus Träumen bauen.
Aber ehrlich gesagt, der Spitzrutenlauf durch Soi Eric bis hin zur Flash A Go Go ist eine
der guten Seiten. Kein Mann kann von sich sagen, daß er dieses Erlebnis nicht genießt,
das ihm nicht irgendwo die Manneskraft schwillt, ohne zu lügen.
Normalerweise muß man sich wirklich
anstrengen um den Einladungen der Mädchen nicht Folge zu leisten, aber in Soi Eric zeigt
man einfach mit dem Finger nach vorn und sagt "Flash A Go Go".
Was ich auch gut finde ist die Treppe. Zwei Personen können aneinander vorbei gehen -
aber nur gerade so. Die Treppe ist steil und sieht aus wie etwas aus dem Brooklyn der
60'ger Jahre.
-Die Jakobsleiter.
-Was? fragte Uan.
-Jakobsleiter, Treppe in den Himmel, mein Schatz. Heimat der Engel!.
Auf eigenen Wegen
An der Tür dieses komische Schild "No outside
beers". Ich nahm einmal meine Bierflasche mit hinein anstatt sie draußen zu lassen.
Aber das war verkehrt.
Eine sexy Dame in Unterhösschen öffnete uns die Tür. Ihr
herzliches Willkommenslächeln schwebte hoch über meinen Kopf, weil ich noch auf der
steilen Treppe stand.
Drinnen setzte ich mich gleich auf meinen Lieblingsstuhl an der "Garderobe" der
Mädchen. Diese Garderobe ist in Wirklichkeit nur eine offene Ecke direkt neben dem
Lautsprecher. Hier kleiden die Damen sich um und hier hängen sie ihre Wäsche über die
Barstühle und das Sofa.
Uan der Engel saß in ihrer Lieblingspositur - Kinn in eine Hand gestützt, die Augen weit
aufgerissen, den Blick starr auf die Tänzerinnen gerichtet.
Ach, das Leben war schön. Der Fuchs fühlte sich wie ein Fisch im Wasser. Oder besser, im
Bau. Vom schrillen Gekreische der "Musik" mal abgesehen.
"Slip into Flash and you know you're ears won't
survive". Ich bestellte Whisky, Jack Daniel's und ein Bier zum Nachspülen. Nummer 69
machte Show und gab Gas. Ein paar schwarze, schwere US Boys brüllten vor Begeisterung.
-Mann, hörte ich den einen sagen, wenn sie sowas mit einer Zigarette machen
kann, was könnte sie dann mit meinem beep alles anstellen!
Die Zeit flog schnell
wie mit Engelsschwingen. Ich versank in eine schillernde Welt von Whisky, Weib und Gesang.
Nach Nummer 69 und ihrer Zigarette fing ich bei Nummer 12 mit dem kleinen Tangahösschen
Feuer und danach bei Lek, einer alten Freundin. Sie war gerade aus Nakhon Nirgendwo
zurückgekommen, wo sie bei ihrer Mutter, ihren Brüdern, Schwestern, Onkeln, Tanten,
Ehemännern und Wasserbüffeln gewohnt hatte.
Später, als Lek auf meinem Schoß saß, entdeckte ich, daß Uan, der Engel fort war.
Aber das störte mich eigentlich gar nicht. So ist das eben mit Engeln. Sie kommen und
gehen auf eigenen Wegen. Vielleicht war sie unterwegs zu jemandem, der einen schlanken
Engel mit zwei perfekten Zahnreihen dringender brauchte als ich. Ich hoffte nur, daß es
nicht Steve war.
© Harry Fox - Travelers' Net
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