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Am Soi Sunset
wurden meine Träume wahr
© Nightlife - Travelers' Net
Es war schon spät, die Strassen waren
voll von Menschen. Alle wollten in die Soi Sunset.
Also reihte ich mich in den Strom von schwarzhaarigen Schönheiten ein.
Hundert hübsche Mädchen in kurzen Röcken, mmh. Die Bangla Road ging es hinauf, zur
Vienna Bar.
Ausgetrocknet nach der langen Reise erklomm ich dann einen Barhocker und
bestellte mit dem letzten Rest meiner Willensstärke einen Jack Daniels und ein Bier als
Chaser. Ah... ich lehnte mich zurück und merkte, wie mein Blutdruck in den schwarzen
Bereich zurückkehrte. Aus den Augenwinkeln notierte ich mir, daß der Monitor über der
Bar ein Fußballspiel zeigte und dann...
Wumm!
Da war SIE! Erinnern Sie sich noch an Manfred Mann? Doo wah diddy diddy?
Er sang ja ganz gut, aber Mensch... der gute, alte Manfred hatte ja keine Ahnung! Hier
saß das Girl, von dem er sang! Ein weißes Tanktop über jungfräulichem Busen und ein
Sweatshirt um die Hüften geschlungen. Nackte Schultern und ein Bauchnabel wie ein
Fingerabdruck in Lübecker Marzipan. Sie stand einfach nur da. Aber die Art, wie sie
stand... verloren in ihrer eigenen Welt, schwebend, tänzelnd. Ein Bild aus 1001 Nacht.
Ich nahm erst einmal einen kräftigen Schluck zur Brust und dachte nach.
Es müßte doch eine Strategie geben, wie ich diesem schwebendem, braunhäutigen Engelchen
die Vorzüge meiner geringen Person näherbringen könnte!
Aber nichts fiel mir ein. Also ging ich nach Plan B (wie blöd) vor. Ich
ging hin, stellte mich neben sie und fragte: "Wie spät ist es?"
"Ach", antwortete sie, "es ist noch längst nicht zu spät!"
Wir fielen uns in die Arme und Dukdah - so hieß die Schöne - pflanzte
einen langen, warmen Kuß auf meine Lippen. Dann erzählte sie mir die Geschichte ihres
Lebens. Geboren wurde sie und zwar in Isaan, der armen Provinz des fernen Nordens. Schon
mit 18 zarten Jahren verließ sie ihre Familie, um auf Phuket ihr Glück zu suchen.
"Und jetzt habe ich Dich gefunden und ich bin glücklich", flüsterte sie
verführerisch.
So schnell ging das? Wann war sie denn nach Phuket gekommen? Wie alt war
sie denn? Ach, immer noch 18 Jahre und arbeitslos. Ein paar Wochen hätte sie in einem
Restaurant gearbeitet, aber die dreitausend Baht im Monat reichten nicht weit. Denn ihre
Mutter war krank, der Ochse ihres Vaters war gestorben und ihr Bruder hatte einen
Motorradunfall in Chiang Mai gehabt. Nur sie - die kleine Dukdah - war jetzt noch übrig,
um die Familie zu versorgen.
Eine Freundin hatte ihr vorgeschlagen, doch das Glück in der Bar zu
versuchen. Darum stand sie jetzt hier, zum allerersten Male im lauten, happy Nachtleben
von Patong. Ich spürte ein warmes Gefühl von Mitleid unter meinem Herzen und bot dem
kleinen Engel eine Cola an.
"No, no", sagte sie, "ich trinke nur Black Label! Good for
headache!"
Und so teilten wir eine Flasche des braunen Getränks. Als die Flache
leer war, war ich irgendwie voll. Dukdah dagegen wirkte noch ganz frisch. Sie sah in meine
Augen und sprach: "You mau already!" (Du bist betrunken). Ich gab ihr recht.
Patong war nicht nur laut und happy, sonder auch ziemlich schief geworden.
"Besser nach Hause gehen", sagte die Kleine, "you have my
wife already?" Ich versicherte, daß ich weder ihre Frau noch selber eine hätte.
Dukdah nickte: "Okay, wo ist Dein Hotel?"
An diesem Punkt bekam ich zunehmend Konzentrationsprobleme. Ich deutete
an, daß ich ein reicher Ölscheich wäre, der in der Fürstensuite des Diamond Cliff
Hotels residierte. Was danach geschah, steht eher unscharf in meiner Erinnerung. Eine
Tuktukfahrt, Dukdahs holdes Lächeln und der Wind in meinem erhitzten Gsicht.
Was dann passierte? Ich weiß es nicht mehr. Ich kann
mich auch Gottseidank nicht an Dukdahs Gesichtsausdruck erinnern, als wir in meinem
trauten aber eher bescheidenen Heim in der Nanai ankamen. Aber ich bin sicher, wir haben
uns amüsiert!
Irgendwann im Laufe der Nacht weckte sie mich auf - ich lag auf dem
Küchentisch - und fragte mich, wo der Besen wäre? Ich war zu müde, um darüber
nachzudenken. Ich murmelte etwas von Stars und Coffeeshops und schlief weiter. Meine
Täume waren voll von schokoladebraunen Sirenen mit rosafarbenen Bikinis.
Am nächsten Tag wachte ich in einem andren Haus auf. Also - nicht in
einem WIRKLICH anderem Haus. Aber einem sauberen Haus. Richtig supersauber. Unglaublich.
So hatte es hier nicht ausgesehen, seit ich eingezogen war! Ich suchte nach der kleinen
Dukdah, aber sie war nicht da.
Am Badezimmerspiegel leuchtete eine knallrote Schrift. Dukdah hatte eine
Lippenstiftbotschaft hinterlassen, so wie man das in amerikanischen Filmen macht. Da
stand: "Thank you to much, tilak. I go home see mother in hospital. See you."
Tjah - es gibt vieles zu sagen über das Nachtleben von Patong. Aber wer
jemals gesagt hat, es sei schmuddelig, hat nie meine Dukdah getroffen!
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