Phuket Travelers' Net

Navigation Field

Harry Fox

Travelers' Net
Nachtleben
Email us

Wer soll das bezahlen...
(Teil 2)

©Travelers' Net
Text by Joe Josef

"Ja, sagte sie und ich machen Liehbe wie Nihnchen, auch!"

Rote Rosen für eine braune Lady

Wenn ich je einen Coffeeshopanbeter gesehen habe, dann war es Gerhart aus der Schweiz. Jedesmal wenn Gerhart nach Phuket kam, stürzte er sich nächtliche Stunden lang auf die vielen Coffeshops unserer Insel. Später konnte er dann nochmal so viele Stunden dasitzen und sich über die charmante Schönheit und werweisswasnoch der wunderbaren Sängerinnen und Animiermädchen ausbreiten.
Also, dachte ich, stell ihm doch einfach Dao mal vor. Gesagt, getan. Und es war Romantik wie aus einem Hollywoodfilm! Im warmen Licht der schmiedeeisernen Lampen glühte der wohlgepflegte Rasen wie ein grüner Teppich. In der überdachten Aussensektion sass Gerhart schon und wartete auf uns. Auf dem Tisch stand ein riesengrosser Blumenstrauss. Rote Rosen für eine braune Lady. Als Dao und ich den Garten betraten, sprang Gerhart vom Stuhl auf wie ein Klappmesser. Die sternstrahlende Dao schritt langsam auf ihn zu, wie eine Diva in Zeitlupentempo. Ihr schwarzes Haar flatterte in einer sanften Brise wie die Flügel eines Schmetterlings. Ohne Hast trat Dao bis dicht an Gerhart heran, schlug ihre Augen nieder und grüsste ihn mit einem formvollendeten Wai. Wie ich schon sagte - reines Hollywoodgedösel. Es dauerte nicht mal 10 Minuten, bis die beiden Täubchen so total miteinander beschäftigt waren, dass ich eigentlich genausogut abhauen konnte.
Die nächste Frage lautete - was sollte ich mit Lek anstellen? Lek träumte, von einem Mann, einem richtigen Ehemann, der sich auch um ihre Kinder kümmern würde. Einen kurzen Augenblick überlegte ich, ob ich Lek vielleicht zur Mia noi Gerharts machen sollte. Aber nur für einen kurzen Augenblick. Es würde nie gut gehen. Oder vielleicht doch... Aber jedenfalls noch nicht jetzt, wo Gerhart alle Hände voll mit einer braunen Lady mit Schwetterlingsflügelhaar zu tun hatte. Ich musste erstmal nachdenken.
Es gibt keine bessere Stelle in Patong um darüber nachzudenken, ob man ein kleines Mädchen namens Lek zu einer Mia noi machen oder ihr ein zweijähriges Stipendium zu Weihnachten schenken soll, als die Kongo Bar.

Einfach und logisch

Die Sonne stand tief am Himmel. Ihre goldenen Strahlen tauchten Soi Bangla in flüssiges Wachs. Es war verhältnismässig stille in der Strasse. Ich setzte mich an einen der Tische nebem dem Billard und beobachtete die spielenden Girls. Es war noch zu früh für Whisky straight, also bestellte ich eine Cola und Luk Manau zu meinem Jack Daniels.
Eines der Mädchen schien eine ziemlich gewiefte Schützin zu sein. Und da wir gerade von Kugeln sprechen - ihr Aussehen war auch nicht schlecht. Wenn sie sich über das Billiardtuch beugte und sekundenlang still stand um sich zu konzentrieren, war sie das Sinnbild wachsamer Schönheit. Alles in allem, es war ein Vergnügen ihr zuzusehen und als die Schöne mich fragte, ob ich ein Spiel mitspielen würde, ergriff ich die Chance das junge Ding näher kennenzulernen und etwas von meinem Poolkenntnissen kundzugeben. Der Name der Schönen war Tay.
-Thai?
-Nein, Tay, so wie in Katay.
-Ach so, Kaninchen. Verstehe!
-Yahs,
sagte sie und ich machen Liehbe wie Nihnchen, auch!
Sie lachte herzlich.
-Aber ich spiele Pool wie eine Schalange (Schlange).
Ich weiss nicht, ob Tay Liebe wie ein Kaninchen machte. Aber sie spielte keinesfalls Pool wie eine Schlange. Wie schon gesagt, ihr Stiel war eher ziemlich gerade und direkt.
Während die Kulgeln tanzten, war ein Teil meiner Gedanken bei Lek. Warum konnte das Leben nicht so einfach und logisch sein wie ein Spiel Billard? Jeder Winkel hat seine Möglichkeiten, jede Nummer wird gespielt.
Tay blickte mit vor Konzentration leuchtenden Augen ihren Billardstock hinunter. Bumm! Die weisse Kugel sauste mit perfektem Efet auf die Sechs zu, die rasch im Loch versank. Jemand rief meinen Namen.
Es war Wolfgang, der Eigentümer der Bar. Er nahm meine Hand und schüttelte sie wie ein Bodybuilder. Das erinnerte mich an die gute alte Zeit, als die Kongo Bar noch die stärkste Barbesatzung aller Zeiten hatte. Alle die Kongogirls schienen mollig, rundlich und stark zu sein, mit umwerfenden Händedrucken. Wer damals auf dem schmalen Bürgersteig einherwandelte, schwebte wirklich in Gefahr. Denn wer nicht freiwillig in die Kongo Bar hineintreten wollte, der wurde gewollt. Die starken Damen griffen einfach zu, zogen ihr Opfer in die Mitte der Bar und banden es an den Marterpfahl.
Wolfgang lachte.
-Ja, sagte er, wir hatten wirklich eine starkes Team damals, nicht wahr? Und warst du nicht mit einer von ihnen zusammen, Toy oder Koy...?

Geld spricht lauter

Ich wechselte das Thema. Es gab keinen Grund um in alten, vergangenen Zeiten zu schwelgen.
-Hör mal, ich kenne dieses Mädchen... begann ich.
-... und du liebst sie TOO MUCH, fiel Wolfgang mir ins Wort.
-Neinein, so ist das nicht...
Ich erzählte Wolfgang Leks Geschichte. Wolfgang hörte mir zu und sagte endlich:
-Sicher, bring sie zu mir. Ich habe eine Bleibe für sie. Ich werde ihr sogar einen Grundlohn ausbezahlen. Du wirst sehen, wir schaukeln das schon. Nach kurzer Zeit trifft sie einen reichen Farang und alle Probleme sind vergessen!
Tay, das Kaninchen, stand geduldig da und wartete darauf, dass unser Gespräch ein Ende nehmen sollte. Ich griff nach meinem Stock. Jetzt ging es an den Eightball.
Zack! Schnurgerade rollte die Kugel ins bestellte Loch. Tay grinste, sie hatte verloren und musste unser Bier bezahlen. Ich deutete an, dass ich einer Vereinbarung, die ohne Verwendung von barem Geld vonstatten gehen könnte nicht ungeneigt wäre... aber Tay winkte ab und lachte.
-Samall manee (small money) sagte sie und ich musste ihr recht geben. Wie man sagt: "Nern poot siangdang gwah kham" Geld spricht lauter als Worte. Aber es muss schon eine bedeutende Summe sein.
Für einen Augenblick spielte ich mit dem Gedanken das kleine Kaninchen mit einer bedeutenderen Summe Nern anzusprechen. Aber ich liess den Gedanken wieder fallen. Bis auf weiteres, jedenfalls. Die Nacht war noch jung, die Whiskyflasche noch voll und der Billardtisch wartete schon auf die nächste Runde.

Mach deinen Mund zu

Ein paar Tage später traf ich Lek in der Soi Seadragon wieder. Sie puffte mich in die Rippen und sagte:
-Du kamst nicht mehr zurück an jener Nacht. Jetz liebst du Dao, eh?
-Nein, so war das nicht,
sagte ich -aber Dao hatte ein Problem und bat mich um Hilfe...
Lek lachte.
-Also gabst du ihr etwas "Hilfe" und dann sie hat vergessen ihr Problem, eh?
Ich überlegte, ob ich versuchen sollte ihr zu erklären, dass ich keinerlei private Beziehung zu Dao hatte. Anderseits, es schien nicht weiter wichtig..
-Und wie geht es dir? fragte ich. Ich erzählte ihr vom Job in der Kongo Bar. Lek hörte mir aufmerksam zu. Ich wiederholte gerade Wolfgangs letzte Worte - die von einem reichen Farang, als Lek sich plötzlich nach jemandem umdrehte, der gerade die Bar betrat.
-Ah, rief sie, 'Arry, das ist mein neuer Boyfriend! Sag hallo!
Es war Gerhart, der Coffeeshopanbeter. Ich muss ziemlich komisch ausgesehen haben. Gerhart lachte und sagte:
-Mach deinen Mund zu, Harry! Es zieht!
-Aber, bist du denn nicht mit Dao zusammen?
stöhnte ich.
-Ach ja, Dao. Gerhart schüttelte den Kopf.
-Weisst du das war komisch. Wir hatten einen wunderbaren Abend. Der Mond schien, der Champus war kühl.... dann bestand Dao darauf, mich mit nach Hause zu nehmen und ich dachte schon wir wären ein Herz und eine Seele. Aber als ich ihr dann einen Kuss geben wollte, schreckte sie zurück und sagte, da wäre schon ein anderer Mann in ihrem Leben. Ich ging hinaus auf den Balkon um eine Zigarre zu rauchen und da sah ich plötzlich sie!
Er zeigte auf Lek, die ihn anstrahlte wie eine Wunderkerze.
-Sie ist eine von Daos Nachbarinnen, weisst du! Und der Rest wird Geschichte werden!
So heisst das zwar nicht, aber ich verstehe.

Was aber würde nun aus Dao werden?
In den folgenden Wochen hatte ich viel zu tun. Aber sobald ich die Zeit dafür hatte, besuchte ich Dao in der kleinen Soi an der Sai Nam Yen. Das Haus war da, aber Dao war weg. Ich fragte die Mädchen nebenan und sie sagten Dao sei in Bangkok. Bangkok...?
-Ja, ihr Mann hat sie abgeholt.
Ihr Mann?
Wusste ich etwa nicht, dass Daos Mann der Innehaber von Siam Trading Company war? Eine der grössten Handelsgesellschaften Thailands?
Im selben Moment sah ich ein bekanntes Gesicht aus einer Türöffnung lugen. Es war Tay, das Kaninchen, das Pool wie eine Schlange spielte.
-Hey, ich wusste garnicht, dass du auch hier wohnst!
-Yahs
, sagte sie ich sehe dich, aber du bist ja immer Butterfly mit Dao und Lek!
Ich überlegte ob ich dem Kaninchen erklären sollte, dass ich keinerlei intime Verbindung zu weder Dao noch Lek pflegte, aber es schien nicht den Umstand wert zu sein. Als ich in ihr lächelndes Gesicht blickte - das überhaupt keine Ahnlichkeit mit einem Kaninchen aufwies - schien es mir eher den Umstand wert zu sein, herauszufinden, ob sie wirklich Liehbe wie en Kaninchen machte.