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Der Mond
ist aufgegangen
(Teil 1)
"-Hat
dein Land auch einen Mond? fragte Jui."
© Travelers' Net
Text by Joe Josef
Plastikburger a Go Go?
Ab und zu muss man mal sein Gehirn durchpusten
lassen um den ganzen Staub rauszublasen. Ich persönlich mache das so: ich geh zu Big Bike
und miete einen schönen, schweren Chopper. Am besten eine Harley oder eine Suzuki. Dann
nichts wie raus in Gottes Natur und weg.
An diesem Tag war es eine Suzi 1500. Ich war den ganzen Tag auf Achse gewesen, einfach nur
so, wo gerade die Sonne lachte und immer der Nase nach. Es war ein schöner Tag gewesen,
voll von Palmen, Hügeln und strahlendem Himmel. Jetzt, mit einsetzender Dunkelheit,
wollte ich noch eine abendliche Runde in Patong drehen. Sozusagen als würdiger Abschluss
eines schönen Tages. Also manövrierte ich das zweihundert Kilo schwere Ding durch Soi
Seadragon und versuchte, niemanden über die Füsse zu fahren. Ich genoss die winkenden,
rufenden Girls (helloh...) und parkte das Muskelpaket hinten, an der Rasta Bar. Sie wissen
schon, wo die Blondinen sitzen.
Ich bemerkte, dass Attilahs Laden nicht mehr da war. Schluss mit Seadragon Burger. Attila
macht endlich das, wonach er sich eigentlich schon immer gesehnt hat: er repariert
Motorräder.
Also, wieder eine Go Go. Würde diese neue Go Go genauso aussehen wie alle anderen oder
würde man sich ein Thema einfallen lassen? Classroom gibt es schon und Cowboy Country
gibt es auch. Vielleicht sollten sie es mal mit einem Burger Thema probieren? Josefine
Baker mit Cheeseburgern um den Hüften statt mit Bananen. Yes, we have no Bu-Burgers...!
Also, ich stand in der Soi Seadragon, wobei eines zu sage ist: nicht jede Bar in Soi
Seadragon verkauft Jack Daniels. Ist ja auch OK, ich bin kein Fanatiker - was auch immer
der gute James Cook über mich sagt.
Ich wollte sowieso nicht lange bleiben, also ging ich auf eine Flasche Carlsberg an die
Naughty Bar. Zufälligerweise war Somchai selber an der Bar diesen Abend und zack,
plötzlich standen Johnny Walker und farbige Cocktails vor uns auf der Theke. Es gab kein
Entrinnen, um keinen Preis wollte der gute Somchai mich ziehen lassen ohne ein paar Drinks
spendiert zu haben.
Somchai ist ein richtiger Thailänder, im Sinne von hilfreich und spendabel. Er war mein
erster Thaifreund hier auf Phuket. Er nahm mich mit zu einem Orakelpriester in Wat
Chalong. Ich verstand kein Wort, Somchai musste hinterher alles übersetzen. Es waren
hoffnungsträchtige Worte: Ich würde auf Phuket bleiben, ich würde viel Geld verdienen,
wunderbare Mädchen treffen und so weiter und so fort. Wahrscheinlich hatte der gute
Somchai alles selber erfunden. Aber das ist auch nicht so wichtig. Seine Absichten waren
jedenfalls die besten.
Ihr Blick fiel zu Boden
-Bist du an meine Bar gekommen um
weibliche Gesellschaft zu suchen? fragte er.
-Jetzt, wo du hier bist, was sollte ich wohl mit weiblicher Gesellschaft wollen,
antwortete ich.
Somchai lachte und zeigte auf eines seiner Girls.
-Die da ist gerade aus Isaan gekommen, sagte er, -das wäre eine perfekte
Frau für dich!
-Vielen Dank Somchai, sagte ich, aber lass es
lieber. Das letzte Mal, als ich mir eine Frau anlachte, endete es mit gebrochenem Herzen
und Unterhaltungsbeiträgen. Es wird schon noch etwas dauern, bis ich das noch einmal
mache!
-Ach was, sagte Somchai ernst, du musst nur die Richtige finden!
Er hob eine Hand und rief:
-Eh, Jui! Mah nee, leoleo! Hier ist ein Farang, der dich kennenlernen möchte!
-Oh nein, bitte nicht! stöhnte ich. Aber es war zu spät. Die Kleine,
die eine perfekte Frau für mich wäre, war schon unterwegs. Sie nahm meine Hand und
fragte mich höflich nach meinem Namen. Von wo kam ich her? Wie lange war ich schon in
Thailand? Wie alt war ich? Ach, aber ich sah so jung aus!
Und dann fiel ihr nichts mehr ein. Ihr Blick fiel zu Boden, sie stand da und
hoffte, dass ich etwas sagen oder tun würde.
Ich tat. Ich sagte:
-Möchtest du etwas trinken, meine Schatz?
Das Leben kam in Ihre Augen zurück, sie lächelte und sagte leise:
-Biah Singh
Ich bestellte den erwünschten Gerstensaft und lehnte mich zurück. Jui blickte
mich sehnsuchtsvoll an und als ich zurücklächelte, empfand sie es als eine Einladuing um
sich an mich zu lehnen und ihren Arm um mich zu legen. Sie passte so perfekt in meine
Arme. Ich hörte, wie sie einen Seufzer ausstiess.
-Was gibts, fragte ich. Sie schüttelte mit dem Kopf.
-Bist du sabai?
-Ja! flüsterte sie, -sabai mark mark, leu.
Und sie küsste meinen Hals.
Jedes Land hat einen Mond
Wir gingen spazieren. Es war dunkel. Ich war
schon seit langem nicht mehr mit einem kleinen Mädchen aus Isaan durch die nächtlichen
Strassen von Patong gewandelt. Wir beguckten die Auslagen der Boutiquen und
Strassenverkäufer. Ich kaufte Jui ein T-Shirt mit der Aufschrift "Ich bin ein
Marsmensch". Natürlich brauchte es eine Kleinigkeit zu essen. Wir waren doch in
Thailand! Jui erstand einen von diesen harten, ledernen Dinosaurusdingern, die man Blahmeuk
nennt (Tintenfisch). So etwas gibt es wohl nicht in Isaan.
Langsam gingen wir die Bangla Road hinunter bis zum Strand. Die Wellen rollten im
sanften Herzklopfertakt heran. Wir fanden eine Bank und setzten uns dort für eine Weile,
lauschten dem rollenden Ozean und den wedelnden Palmen. Es war eine Vollmondnacht.
Ich weiss nicht, haben Sie auch bemerkt, dass Phuket viel mehr Vollmonde hat als
bei uns? Jede Woche, oder so. Man guckt in den Himmel und da ist er: gross, rund, silbern!
-Hat dein Land auch einen Mond? fragte Jui.
-Ja, sagte ich, -jedes Land auf dieser Erde hat einen Mond!
-Jedes Land? Jedes? Jui war überrascht.
-Wow, wieviele Länder gibt es denn?
-Oh, ich weiss nicht sagte ich, -zweihundert vielleicht?
-Zweihundert? Machst du Witze? Jui guckte mir direkt in die Augen.
-Ich kenne Thailand und Farang, Burma and Laos. Und Yippun (Japan). Das sind,
ah... eins, zwei, fünf!
-Nein sagte ich ich weiss nicht ganz genau wieviele Länder es auf dieser
Erde gibt, aber bestimmt mehr als fünf. Europa alleine hat weit mehr als fünf, eher
zwanzig.
-Und alle haben einen Mond?
-Ja, sagte ich, aber es ist immer derselbe Mond, den man sieht!
Jetzt war Jui sicher, dass ich mich über sie lustig mache. Niemals konnte ein
einziger Mond über all diese Länder gleichzeitig scheinen!
Erst bestand ich auf meiner Aussage. Die Erde sei rund, erklärte ich und von der
jeweils nächtlichen Hälfte aus sähe man mehr oder weniger denselben Mond. Aber dann
liess ich meine Erklärungen fallen. Jui wurde fast böse ob dieses Blödsinnes.
Vielleicht sei sie nur ein einfachs Isaangirl, aber deshalb musste ich sie doch nicht
gleich für dumm verkaufen.
Also gab ich zu, dass es viele Monde gäbe. So ungefähr einen per Land. Manche von
den armen Länder konnten sich keinen ganzen Mond leisten und teilten sich einen. Dafür
gab es dann wieder reiche Länder, die mehr als nur einen Mond hatten.
Welche Länder waren so reich, dass sie mehr als zwei Monde besässen, fragte Jui
und ich zog das kleine, dumme Ding näher und gab ihr einen Kuss.
-Möchtest du mit mir zum Mond fliegen? fragte ich.
-Wow! rief sie -ich wusste gar nicht dass man das kann! Können wir
jetzt gleich los? Gibt es Leute da oben? Wie kommen wir dahin? Mit einem Longtail? Einem
Flugzeug?
-Nein sagte ich wir fahren mit einer Suzi!
...Fortsetzung folgt
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