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Der Mond
ist aufgegangen
(Teil 2)
"Als
ich das Motorrad geparkt hatte und mit Jui an meiner Seite auf den feuerspeienden Eingang
zuschritt, fühlte ich mich ein bisschen wie Indiana Jones."
© Travelers' Net
Text by Joe Josef
Wie auf einer Abschussrampe
Es war eine von diesen magischen Nächten.
Manchmal ist das so hier in Patong. Aus irgendeinem unbekannten Grund gibt es diese
magischen Nächte in Patong. Es ist nichts Bestimmtes, es wird nichts vorausgeplant...
aber irgendwie sind sie dann da, diese speziellen Nächte, wo die Luft nach Jasmin duftet,
wo alle guter Laune sind und wo es in der Soi Bangla sogar noch einen Parkplatz gibt.
Jui sass hinter mir auf dem Chopper wie ein Engel. Das können sie perfekt, die
Thaimädchen, sitzen wie angeschmiedet auf dem Rücksitz als wären sie auf dem Motorrad
geboren.
Langsam und bedächtig fuhren wir auf die 200 Phi Road hinaus. Die Nacht war
schwarz, die Milchstrasse zog ihren Bogen... und natürlich leuchtete da der Vollmond
über den Bergen, so wie immer. Nach der Simon Cabaret Kurve liess ich die Machine
arbeiten. Das dunkle Brummen des Choppers verwandelte sich in ein wütendes Grollen, als
er sich den Hang hinauf warf. Genau dem Vollmond entgegen flogen wir, wie auf einer
Abschussrampe.
Ich bin sicher, dass Jui es auch merkte, wenn auch nur für ein paar kleine
Minuten: wir sassen auf einem lebendem Feuerstuhl, wie auf einem Drachen der Urlegende.
Suzi, der Chopper, flog durch unbekanntes, schwarzes Land den Olymp der Götter hinauf.
Oben angekommen schaffte ich es gerade noch so, die Bremsen zu ziehen und den Motor
zu drosseln. Hier waren wir, bei Safari angelangt, diesem sagenhaften Gebilde aus Mad Max,
Swinging Safari und gothischem Heavy Metal. Als ich das Motorrad geparkt hatte und mit Jui
an meiner Seite auf den feuerspeienden Eingang zuschritt, fühlte ich mich ein bisschen
wie Indiana Jones. Nur ohne Hut und Peitsche. Jui drückte meine Hand und sagte:
-Dies ist nicht der Mond, weisst du. Dies ist Sa-fa-lieh!
-Ja, ich weiss, erwiderte ich, das nächste mal ist der Mond dran,okay?
-Das macht nichts, lächelte sie gequält, ich wusste sowieso die ganze
Zeit, dass du nur Spass machtest. Aber das ist okay. Willst du mit mir tanzen?
Und ob ich wollte! Ich zog Juis schlanken Körper an mich und im selben Augenblick
verwandelte sich das Safari wie ein Kürbis um MItternacht. Das peitschende Schlagzeug
erlosch, die hämmernden Technorhytmen lösten sich auf. Jui und ich schwebten auf
Watteteppichen gewebt von den Geigenklängen einer Vanessa Mae und Anna Sofie Mutter.
Geld im Bauch
Nichts währt ewig, nicht einmal Aschenputtel
konnte den Zauber über Mitternacht hinaus verlängern. Nachdem ich eine Weile zwischen
Geigenklängen geschwebt hatte, wurde meine Kehle trocken und ich ging an die Bar. Jui
würde Singha Bier trinken wollen und ich entschloss mich, auch eines zu nehmen. An der
Bar traf ich jemanden, den ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte.
-Shanoo!
-Harry!
Welch eine Uberraschung! Als ich Shanoo das letzte Mal sah, lagen wir bäuchlings
auf einem Hausdach in Hanoi. Wir klammerten uns an unsere Maschinenpistolen, es sollte
nur noch Sekunden dauern, bis das Haus zusammenbrach. Wir waren unter schwerem
Beschuss von seiten der Kommies und alles war ein einziges Durcheinander. Als das
verdammte Dach endlich zusammenknackste, verlor ich das Bewusstsein. Später erwachte ich
mitten in einem Reisfeld. Eine junge Frau beugte sich über mich. Sie trug keinen BH, aber
das ist eine andere Geschichte...
Ich hatte eigentlich nie erwartet den guten Shanoo lebend wiederzusehen.
-Shanoo, sagte ich, du dreckiger Hund! Wie bist du aus dem Schlamassel
rausgekommen?
Er grinste und sagte:
-Da gibt's nicht viel zu erzählen, Harry. Glücklicherweise hatte ich mir beim
Fall nichts gebrochen. Ich entschloss mich, erstmal unterzutauchen...
Es stellte sich heraus, dass der gute Shanoo als Arzt hier auf Phuket arbeitete. Es
gibt doch nichts schicksalhafteres als das Schicksal... Wir sassen und erzählten
einander, was wir so erlebt hatten, da spürte ich wie mir jemand am Arm zupfte.
-Mann, rief ich, -ich habe Jui ganz vergessen!
Ich stellte sie Shanoo vor und er sagte:
-Kenn' ich dich nicht von irgendwoher?
Er kratzte seinen Kopf.
-Doch! sagte er dann, jetzt fällt's mir ein! Du bist die mit dem
Haufen Geld im Bauch!
Jui erröttete und nickte.
-Erzähl's mir bitte, sagte ich.
-Naja, sagte Jui ich war halt mal böse auf meinen Boyfriend und da habe
ich all sein Geld aufgegessen...
-Man kann doch kein Geld essen! unterbrach Shanoo.
-Und ob man das kann!
-Jedenfalls nicht ohne es wieder chirurgisch entfernen zu lassen.
-Neinein, Jui sagte ernst: Geld kann man essen! Aber Liebe kann man nicht
essen!
Bad Moon Rising
Ich weiss ja nicht, wie das bei Ihnen so ist,
aber ich treffe nur ganz selten alte Freunde, die vom Tode auferstanden sind. Also lud ich
Shanoo zu einem Drink ein, um in Ruhe weitersprechen zu können. Nach kurzem wandelte uns
dann die Lust an, ein bisschen Luft rauszulassen und wir gingen in die Rio Bravo Bar.
In Rio Bravo war gerade Creedence Clearwater angesagt; was uns gut passte. Das war
die Musik, mit der wir damals die Welt ändern wollten. Ich war eben auch mal jung.
-Trinkst du immer noch jack Daniels? fragte Shanoo.
Und ob! Also bestellten wir eine Flasche und als die leer war, noch eine. Und noch
eine. Es war einer dieser speziellen Abende in Soi Bangla - mit Duft von Jasmin, frohen
Gesichtern und sogar einem leeren Parkplatz - und wir hatten die Party unseres Lebens. Das
ganze Haus sang mit, als "Bad Moon Rising" erscholl. Irgendwann diskutierten wir
Push-ups. Shanoo behauptete, dass er noch jederzeit einhundert machen könne und ich
erinnere mich bruchartig, wie Shanoo auf allen vieren auf dem Boden krabbelt, mit zwei
Thaimädchen auf dem Rückem.
Dann waren wir irgendwann nicht mehr im Rio Bravo und Creedence war auch längst
weg. Der Mond schien nicht mehr. Statt dessen schickte die Sonne ihre ersten, silberharten
Strahlen durch das offene Fenster. Meine Augen taten weh und ich klemmte sie fest zu.
Zwei Stunden später stand ich dann doch auf - ich musste zur Toilette. Zu meiner
Uberraschung fand ich sechs Personen im selben Raum ausser mir. Shanoo, Jui und noch vier
Mädchen. Zwei von denen sahen verdächtig nach Ladyboys aus. Mit anderen Worten: wir
hatten uns offenbar grossartig amüsiert.
Als ich von der Toilette zurrückkam, fand ich Shanoo auch mit offenen Augebn vor.
-Mann, sagte er, dein Whisky hat mich aber ganz schön zur Sau gemacht
letzte Nacht! Er kratzte seinen Kopf und blickte nachdenklich auf Jui hinunter.
-Sie erinnert mich an jemanden, die wir mal kannten... Trong oder Trink....
-Trang, sagte ich.
-Das stimmt! Trang! Die konnte auch so Sachen mit ihrem Body...
Er beugte sich hinunter und küsste Jui auf ihre Stupsnase. Jui kuschelte sich
dichter an ihn.
-Teerak! flüsterte sie freundlich. Es geht eben nichts über einen Arzt, der
Geld aus einem Bauch herauszaubern kann.
Naja. Ich hatte ja noch meine Suzi da raussen. Falls irgendjemand mit mir zum Mond
fliegen wollte...
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